infinite love second act

II. Der zwei Wege Ereignishorizont

Wahre Liebe ist eine bewusste Entscheidung. Ein Versprechen in aller Konsequenz.

Der Zwei Wege Ereignishorizont ist kein Bild der Einheit sondern eine Dialektik der Verbundenheit – der Moment, in dem zwei Seelen sich im Angesicht der Welt dafür entscheiden, einen gemeinsamen Weg zu beschreiten.

Die stille Anordnung der Gestalten, deren Schritte sich auf einem nassen Asphalt voneinander entfernen, so wie die zwei Pole eines Magneten, die sich nicht berühren, sondern sich in einer perfekten Balance halten. Der Herbst, der die Bäume der Straße mit dem Gold des Verfalls schmückt, ist das stille, poetische Memento der Vergänglichkeit, das uns lehrt, dass die wirkliche Schönheit in der ewigen Veränderung liegt.

Doch im Spiegel der nassen, dunklen Oberfläche unter ihren Füßen, die die Welt in sich umkehrt, finden wir eine erlösende, unzerstörbare Wahrheit. Die Reflexion der Liebenden, deren Gestalten makellos und fest vereint sind, erzählt eine Geschichte, die in den Zeilen des Tages nicht sichtbar ist.

Sie ist das unsichtbare Band, das sich aus den Tiefen des Bewusstseins erhebt, das ihnen die unbeirrbare Gewissheit schenkt, dass ihre Reisen, so unterschiedlich sie auch sein mögen, sich auf einen einzigen, unendlichen Horizont zubewegen.

Liebes-Lied

Wie soll ich meine Seele halten, dass
sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu andern Dingen?
Ach gerne möcht ich sie bei irgendwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle, die
nicht weiter schwingt, wenn deine Tiefen schwingen.

Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Geiger hat uns in der Hand?
O süßes Lied.

(Rainer Maria Rilke, 1907)