Nacht ist die Stille,
in der das Licht sich sammelt,
bevor es sich entscheidet,
Mensch zu werden.
Ich stehe auf dem Dach meines Hauses.
Die Ziegel sind noch warm vom Tag.
Zwischen meinen Füßen wächst ein kleines Kraut –
es heißt Verzicht,
und es blüht nur einmal,
wenn man nicht hinsieht.
Über mir
die Sterne.
Nicht als Lichter.
Als Löcher.
Als Atemlöcher
eines Ungeheuren,
der ich bin,
wenn ich nicht ich bin.
Ad astra –
sag es nicht laut.
Sprich es mit den Lippen,
die noch nach Tod schmecken,
mit der Zunge,
die einmal dein Name war,
bevor du sie vergaßt.
Es ist nicht hinauf.
Es ist hinein.
Hinein in das,
was du verloren hast,
als du noch hattest.
Ich sah ein Kind –
es trug eine Schüssel voll Sternenstaub
und weinte,
weil es nicht wußte,
daß es weinte.
Und dann –
der Aufbruch.
Nicht mit Feuer.
Nicht mit Schiffen.
Mit einem Wort,
das du dir selbst gesagt hast,
als niemand mehr zuhörte.
Ein Wort,
das klang wie:
ich erinnere mich an dich, ohne zu wissen, wer du bist.
Und plötzlich
war alles schwerelos.
Nicht das Herz.
Das Herz blieb schwer.
Aber die Schwere wurde echt.
Ich ging durch die Sterne.
Nicht als Mensch.
Als Wort.
Als unausgesprochenes Wort,
das jemand sagte,
um sich selbst zu erreichen.
Die Sterne waren keine Sterne.
Sie waren Augen.
Augen, die sich öffneten,
weil ich sie ansah.
Und in jedem Auge
stand geschrieben:
Du bist nicht draußen. Du bist der Raum, in dem ich bin.
Und dann –
die Stille.
Nicht das Ende.
Die Stille,
die kommt,
wenn das Ende
nicht mehr nötig ist.
Ich stand am Rand
von allem,
was ich je verlor.
Und es war nicht leer.
Es war voll.
Von mir.
Von dir.
Von dem,
was wir sein werden,
wenn wir nicht mehr sind.
Ad astra –
ich sage es jetzt laut.
Nicht als Befehl.
Als Einladung.
An das,
was in mir schläft,
wenn ich wache.
An das,
was in dir wacht,
wenn du schläfst.
An das,
was wir sind,
wenn wir nicht mehr wissen,
wer wir waren.
Und wenn du morgen aufwachst –
wenn das erste Licht
wie eine Hand
über dein Gesicht fällt –
dann weiß:
Du bist nicht geblieben.
Du bist gegangen.
Und du bist angekommen.
Bei dir.
Bei mir.
Bei dem,
was immer schon
unterwegs war,
um uns zu finden.
Gute Nacht.
Du allein wirst Sterne haben, die lachen können.
Sie tragen deinen Namen –
leise,
wie man ein Kind trägt,
das noch nicht weiß,
daß es erwachen wird.
Und wenn du es einmal vergißt –
dann sieh bei Nacht den Himmel .
Dann weißt du es.
Ad astra,
mein Freund.
Nicht als Ziel.
Als Atemzug.
HØLY
