Im Moment in dem die Seele, im tiefsten Hall einer unsichtbaren Kathedrale, die von der Vibration des Basses errichtet wurde, aus der Realität entschwebt. Dissonanz in Ecstasy ist nicht das Bild des Hedonismus in seiner vollen Blüte, sondern das scharfe, unbarmherzige Porträt seines tragischen Endes. Die Linse blickt nicht in einen Raum voller Freude, sondern in die stumme, schattenhafte Prozession einer Flucht. Die Figuren, gehüllt in die Uniformen einer Nacht, die nach Vergessenheit und Ekstase suchte, schreiten vorwärts in ein Licht, das nicht wärmt, sondern ihre Körper nur zu leeren Silhouetten macht. Ihre Gesichter sind verborgen, weil die Seele bereits die Realität des Augenblicks hinter sich gelassen hat, um in einem anderen, fieberhaften Traum zu verweilen.
Doch das wahre Urteil über diesen Rausch liegt nicht in der Musik, sondern in der grausamen, spiegelnden Oberfläche des Bodens. Dort, wo einst die Magie der Bewegung tanzte, liegt nun das nasse, schimmernde Versprechen einer kommenden Leere. Während die Körper noch im Glanz des Lichts verweilen, zeigt uns ihr Abbild bereits die hässliche, verzerrte Fratze des Erwachens. Es ist die unumgängliche Erkenntnis, dass, wenn die letzte Vibration des Basses verstummt und die Stille des Morgens eintritt, die Seelen, die sich im Rausch verloren, nun im scharfen, kalten Licht des Katers der Realität wiedergefunden werden. In dieser schmerzhaften, aber notwendigen Schau liegt die Wahrheit: Der Hedonismus ist keine Befreiung, sondern ein kurzlebiges Theaterstück, das am Ende jeder Nacht mit dem Eintritt der hässlichen Fratze der Vergänglichkeit kollabiert.
Ich trinke zu viel, ich kokse zu viel, ich ficke zu viel, was ist das verfickte Problem? (2017)
